Probenwochenende mit Chorkonzert 18.04. - 20.04.2008

Benediktbeuern

Süddeutsche Zeitung vom Montag, 21. April 2008

Ingrid Lughofer

 Gut gegen Pisa-Frust

Das eingespielte Lehrer-Ensemble „A cappella bavarese“

 Von Granatäpfeln und anderen edlen Früchten, von Quellen lebendigen Wassers und der Weide unter blühenden Blumen klingt das Hohelied Salomons: „A cappella bavarese“ begrüßte mit fünf von Melchior Franck (um 1580 – 1639) als Motetten vertonten Varianten dieses „Lieds der Lieder“ das Publikum am Samstag im gut besuchten Meierhof des Klosters Benediktbeuern  zu „Chormusik aus aller Welt“. „Die Erfüllung von Seele und Leib und damit die vollkommene Liebe Gottes zu uns Menschen“ sieht der Chorleiter Reinhold Wirsching in dieser Sammlung von Liebesliedern aus dem Alten Testament. Tatsächlich verbreitete die Fülle sinnlichen Wohllauts sofort festlich-freudige Stimmung im Saal.

Carl Orffs jubelnder „Morgensegen“ wirkte farbenfroh, nicht zuletzt durch das Spiel mit einzelnen Stimmgruppen, mit nuancierten Lautstärke-Effekten und mit gegensätzlich gesetztem Legato und Staccato. Des bayerischen Meisters „Wessobrunner Gebet“ zeigte die Sängerinnen und Sänger in exakter Einstimmigkeit und enormer Klangstärke. Ein flottes tänzerisches Madrigal von Thomas Morley schloss den ersten Teil der Veranstaltung ab, bei dem Wirsching geistreich moderierend Ansätze seiner Interpretation verriet.

„A cappella bavarese“ besteht aus Lehrerinnen und Lehrern verschiedener Fächer, aller Schularten aus allen Regionen Bayerns. Das erste Konzert fand 1996 statt nach einem Seminar an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen. Bei dem ausgefeilten Zusammenklang dieser Singgemeinschaft  ist es erstaunlich, dass die mehr als 50  Mitwirkenden jedes Jahr nur an drei bis vier Wochenenden proben und auftreten. Zu Orff haben die Sänger einen besonderen Bezug, waren sie doch beim Internationalen Orff-Symposion in Traunwalchen und der Jahrtagsmesse für den Komponisten in der Klosterkirche Andechs dabei.

Mit rhythmischem Körpereinsatz, zentrierter Energie und ausdrucksvoller Mimik beim Dirigat führt Wirsching - neben seiner Professur am Bruckner-Konservatorium in Linz hauptsächlich am „Mozarteum“ in Salzburg zu finden -  seit 1998 durchs Repertoire, das von Madrigalen des 16. Jahrhunderts über romantische Literatur bis zu heutigen Songs reicht.

In Benediktbeuern ging die „Reise durch Raum und Zeit“ weiter durch gegenwärtiges Amerika und Afrika. Die Notenblätter verschwanden, Klatschen, Stampfen, Tanzschritte drückten innere Bewegung äußerlich aus. Begegnen die Pädagogen ihren Schülern mit diesem Schwung, ist jeder Pisa-Frust sicherlich bald vergessen.

Die Zugabe „Abendsegen“ beendete das Konzert.