Gespräch der BBPost mit Reinhold Wirsching, Thomas Zoller, Thomas A. Ziegler und Michael Buttmann.

 

 

BBPost: Was waren eure ersten Eindrücke von der Zusammenarbeit der beiden Ensembles?

Reinhold Wirsching: Ihr seid weniger, und habt trotzdem mehr Energie als wir. Man spürt eine unheimliche Dynamik, die von der Big Band ausgeht. Wir sind (normalerweise) auf anderen Klangmischungen unterwegs. Wovon wir hier sehr nachhaltig profitieren ist: Da groovt es, da geht der Drive, da läuft das Metronom für uns auch wirklich durch. Das gibt unserem rhythmischen Empfinden deutlich Nachschub. Das bringt uns voran in unserer Lesefähigkeit und in der Genauigkeit in Swingformen zu phrasieren. Kurz gesagt, es gelingt die Erweiterung unseres musikalischen Horizonts.

Thomas Zoller: Auch für uns ist es eine tolle Erweiterung, weil wir in der anderen Richtung unglaublich dazugelernt haben, an Differenzierung, was Dynamik angeht, an Hinhören, was nicht in den Noten steht. Das ist eine unglaublich intensive und hilfreiche Arbeit, dynamisch zu spielen, aber die Energie nicht zu verlieren. Stimme und Band gefällt mir persönlich wahnsinnig gut. Ich liebe Vokalensembles mit Instrumentalgruppen. Dabei möchte ich z.B. meine Zusammenarbeit mit dem Windsbacher Knabenchor erwähnen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass sich die Lehrer allmählich vernetzen und zwar unabhängig vom Ministerium. Offensichtlich funktioniert es ohne irgendwelche Hilfsmaßnahmen von außen.

BBPost: Wie kam es zur Zusammenarbeit der beiden Ensembles?

Thomas A. Ziegler: Wir hatten vor einigen Jahren zeitgleich ein Probewochenende in Dillingen, auf dem wir die Big Band kennen lernten. Telefonische Kontakte führten zur Idee einer gemeinsamen musikalischen Zusammenarbeit.

Michael Buttmann: Wir hatten vor dem Treffen viele Ideen, schwankend zwischen sehr hoch hängen und ganz klein anfangen. Mit der Auswahl dreier gemeinsamer, wirklich außergewöhnlicher Stücke haben wir einen guten Mittelweg eingeschlagen.

BBPost: Wie können wir die Zusammenarbeit in der Zukunft fortsetzen?

Reinhold Wirsching: Wir sind gerne jederzeit bereit zu Folgetreffen. Dabei sollten wir in der Vorbereitung noch differenzierter vorgehen und noch früher Materialien wechselseitig auszutauschen. Die bisherige Stückauswahl war gut, der Chor findet sich bei den Ellington-Stücken in einem ungewohnten Klangfeld wieder.

Thomas Zoller: Die Ellington-Stücke sind ja Originalkompositionen für Chor und Big Band. Der andere Weg, Stücke aus dem vorhandenen Repertoire zu arrangieren ist sicher der kompliziertere und er ist sicher auch begrenzt. Auch Aufträge für eigene Arrangements wären interessant. Wir haben jetzt das sichere Gefühl, dass es klappt und somit stehen uns alle Möglichkeiten offen.

Beide Leiter äußerten die Gewissheit, dass wir als Gruppen menschlich gut zusammenarbeiten können.

Reinhold Wirsching: Das ist an sich als Begegnung etwas wert. Wir sind von Beruf her oft Einzelkämpfer und viele von uns haben diese berufliche Anforderung schmerzlich erlebt. Getragen werden von einem Ensemble tut menschlich gut. Und wenn dann zwei Gruppen zusammenkommen, mit dieser Identität, künstlerisch und menschlich Gruppe zu sein, das halte ich für einen wirklichen Gewinn.

Michael Buttmann: In diesen Gruppen mit Lehrern von allen verschiedenen Schularten gibt es zwar gewiss eine Dynamik, aber kaum Konfliktpotential.

Thomas Ziegler: Jedem von uns ist bewusst, dass es hohen Zeit- und Geldaufwand bedeutet, um an solchen Aktivitäten teilzunehmen. Jeder zahlt alles selbst, da will man zum Gelingen beitragen, nicht zum Scheitern, da lässt man sich gar nicht auf Konflikte ein.

Reinhold Wirsching: Wir sind interessiert an Grenzüberschreitungen, wir wollen etwas Neues entdecken, in eine neue Repertoirewelt eintauchen. Wir können diese Musik auch einem großen Publikum vorstellen.

Michael Buttmann: Das könnte als Highlight auf einem Jazz-Festival oder bei einem offiziellen Anlass sein.

BBPost: Wobei wir bei einer möglichen Unterstützung von außen wären.

Thomas Zoller: Da läuft was ohne das Ministerium und es läuft gut. Wir könnten Unterstützung brauchen, aber wir sind nicht existenziell darauf angewiesen.

Thomas Ziegler: Wir machen das nicht, um dem Ministerium zu gefallen, sondern aus innerer Überzeugung.

Reinhold Wirsching: Wir können dem Ministerium ein Konzert anbieten. Wir verstehen uns als Kulturträger in diesem Lande und sie dürfen uns ruhig als Aushängeschilder sehen und sie können uns als Botschafter ihres eigenen Auftrags begreifen.

BBP: Das alles kommt dem einzelnen Mitwirkenden fachlich und bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zugute.

Thomas Zoller: So war meine Stoßrichtung von Anfang an. Es geht nicht nur darum, schöne Musik zu machen, es geht auch darum, dass die Mitwirkenden etwas haben, das sie in ihrem Umfeld benutzen können. Das Ganze ist wie eine Batterie-Ladestation.

Reinhold Wirsching: Diese Station lädt verschiedene Pole, die musikalisch künstlerische Seite und die menschlich, psychologische, die Seelenpflege, damit man am Montag wieder richtig dasteht.