Coburg / Unterlauter
Probenwochenende mit Konzert 1. - 3.10.2004
Programm:
| Da pacem (Melchior Franck) |
| Deutsches Magnificat (Heinrich Schütz) |
| Psalm 91 (Felix Mendelssohn Bartholdy) |
| Hebe deine Augen auf (F. M. Bartholdy) |
| Beim jungen Wein (Trakl/Kammerer) |
| Geistliches Lied (Trakl/Kammerer) |
| Ein Winterabend (Trakl/Kammerer) |
| Joshua fit de battle (Satz: Wilhelm Heinrichs) |
| Lord, I know (Satz: Henry O. Millsby) |
| Ride the chariot (Satz: Henry Smith) |
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P A U S E |
| Siyahamba (Satz: Doreen Rao) |
| Thulasizwe (Satz: Ursula Hofer) |
| Wa Ntaela Moya (Satz: Reinhold Wirsching) |
| Morgensegen (Carl Orff) |
| O lux (Carl Orff) |
| Odi et amo (Carl Orff) |
| Abendsegen (Josef Rheinberger) |
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Rezension von Martin Potyra vom 4. Oktober 2004
LEHRERCHOR BAYERN
Abwechslungsreiches A-capella-Programm
Der Lehrerchor Bayern ist eine relativ junge Chorgemeinschaft, die 1995 aus einem mehrwöchigen Seminar im Fachbereich Musik an der Akademie Dillingen entstand und seither zahlreiche konzertante Aktivitäten entfaltete. Seit 1998 leitet Professor Reinhold Wirsching den mehr als 50-köpfigen Klangkörper, der nun durch die Vermittlung von Axel Meyer, dem musikalischen Motor Lautertals, am Vorabend des Erntedankfestes in der Trinitatiskirche in Unterlauter ein abwechslungsreiches A-cappella-Programm erklingen ließ.
Mit einer Reverenz an Coburg, dem Kanon „Da pacem Domine" von Melchior Pranck eröffnete der Chor die vielgestaltige Vortragsfolge, die von geistlichen Chorwerken des Barock und der Romantik über zeitgenössische Chorsätze bis zu Spirituals und afrikanischen Gesängen und Werken von Carl Orff reichte. Chorleiter Reinhold Wirsching führte durch das relativ heterogene Programm, wobei es einiger dialektischer Wendungen bedurfte, um die geistigen Zusammenhänge der Chorwerke herzustellen. Mit dem doppelchörigen Deutschen Magnificat von Heinrich Schütz zeigte der Chor sein Bestreben zur stilistischen Breite, doch wurde offenbar, dass frühbarocke Werke nicht unbedingt die Vorliebe dieses Vokalensembles sind. Der an sich ordentlichen Wiedergabe fehlte es deutlich an Spannung und Präzision.
Die fand man schon eher im 91. Psalm „Denn er hat seinen Engeln befohlen" von Felix-Mendelssohn-Bartholdy und dem folgenden Frauenchor „Hebe deine Augen auf" aus dem Oratorium „Elias" des gleichen Komponisten. Drei Vertonungen von Texten Georg Trakls aus der Feder von Edwin Kammerer gaben Einblick in das zeitgenössische Chorschaffen. Mit modalen Anklängen und jeweils versöhnlichen Dur-Schlüssen hörte man „Beim jungen Wein", „Geistliches Lied" und „Ein Winterabend" vom Chor weitgehend durchgeformt und mit sauberer Intonation.
Reinhold Wirsching leitete seine Sängerinnen und Sänger mit unwiderstehlichem Bewegungsdrang, zeichnete das angestrebte Klangbild suggestiv und weitgreifend in den Raum. Ansprechende Synkopierung mit flottem Drive, aber auch intensive Emotion brachten die drei Spirituals „Josuah fit the battle of Jericho", „Lord I know" und „Ride the chariot", auch wenn die Spitzentöne des Sopran nicht die erhoffte Fülle hören ließen.
Die Ahnen dieser Spirituals folgten nach der Pause, südafrikanische Gesänge unter anderem in der Sprache der Zulu. So erklang ausgezeichnet in Homogenität und dynamischer Gestaltung „Siyahamba", aus Tansania „Thulasizwe" und in einem Satz des Chorleiters „Wa Ntaela Moya", der hier versucht hat, die Polyrhythmik des Originals chorisch nachzuvollziehen. Im letzten Liedblock des Abends kam Carl Orff mit drei ausgewählten Liedern zu Wort.
Eine fließende Wiedergabe erlebte man beim „Morgensegen", dessen Ergänzung von Hermann Regner als deutlicher kompositorischer Schnitt vernehmbar war und bei „O Lux". Das fast expressive „Odi et amo" aus den „Catulli Carmina" komplettierte diesen Ausschnitt aus dem Schaffen des bayerischen Tonsetzers. Reinhold Wirsching erklärte seinen bewussten Verzicht auf eine Zugabe, um den Abend quasi kontemplativ mit dem Abendlied „Herr bleibe bei uns" von Joseph Rheinberger ausklingen zu lassen.