Chorwochenende in Hof
23.03. - 25.03.2007
Rezension von Kerstin Sarke Frankenpost 26.03.2007
BAYERISCHER LEHRERCHOR UND HOFER PERCUSSIONISTEN
Ein bisschen wie „jenseits von Afrika“
HOF – Voices and Drums: Mit einem Programm geistlicher Chormusik, die durchaus nicht immer Kirchenmusik nach unserem Verständnis sein muss, begeistert der bayerische Lehrerchor „A cappella bavarese“ am Samstag in der St.-Otto-Kirche in Hof. Den rechten Rhythmus dazu und noch so manch atemberaubende Überraschung mehr liefern vier Musiker aus dem Percussion-Ensemble der Musikschule der Hofer Symphoniker. Dabei beeindrucken sie sowohl als Solisten wie auch in verschiedenen Besetzungen durch ihre Meisterschaft mit Schlägeln, Drumsticks und Händen – und ihrem unglaublichen Rhythmusgefühl.
Bewegliche Balance
Furioso and Walse: Ihr Repertoire reicht vom Bach-Preludium über die „Tell-Fantasie“ von Rossini, die Mozart-Sonate Nr. 6 und einem feinfühlig von Christoph Günther in den Kirchenraum gemalten „Blues for Gilbert“ bis hin zum „Scherzo without instruments“, zu dem die vier lediglich ihre Hände, Füße und Finger brauchen. Das sehr schnelle „Look out little Ruth“, das stark an Musik aus Slapstick-Filmen erinnert und als Zugabe wiederholt werden muss, zaubert allen Zuhörern ein beeindrucktes Lächeln ins Gesicht.
Hebe deine Augen auf: Zwei Sätze von Felix Mendelssohn-Bartholdy eröffnen den Abend, und die etwa 50 Lehrer aus allen bayerischen Regierungsbezirken weben sogleich einen dichten Klangteppich mit ergreifender Ausdruckskraft und voller Sensibilität für die Feinheiten romantischer Musik. Unter dem exakten Dirigat von Professor Reinhold Wirsching entfalten sie ein schönes, sattes Piano genauso souverän wie später, in anderen Stücken, lautstarkes Temperament und überschäumende Freude. Wollte man bei dem Chor überhaupt Abstriche machen, so vielleicht in der Textverständlichkeit, die von den Männerstimmen in einigen Passagen etwas vernachlässigt wurde. Besonders beeindruckt dagegen bei schwierigen Passagen, wie etwa im zeitgenössischen „Psalm Four“ von Hermann Regner, der höhensichere Sopran, der sich auf der Basis der Altstimmen sicher weiß. Regner war Mitarbeiter Carl Orffs, und zu dessen bevorstehenden 25. Todestag erklingt nun der gebetartige „Morgensegen“.
Lord, I know I’ve been changed: In vielerlei Hinsicht demonstriert „A cappella bavarese“ Beweglichkeit; sowohl in der ausbalancierten Dynamik, wie in der Stückauswahl. Den Werken deutscher Romantik und Gegenwart folgen Spiriutals, deren gewaltiger Sound („Ride the Chariot“) genauso ausgelotet wird wie die schwierigen Harmonien in „Daniel“, einem Arrangement des Trinity College Choir. Als emotionaler Höhepunkt erklingen am Ende des Programmes schließlich drei afrikanische Gesänge, die den Zuhörer mitnehmen in eine exotische und doch irgendwie vertraute Welt. Gleich, ob Sulu oder Kisuaheli, – die Botschaft wird verstanden. Die innigen, von schlichtem Glauben erfüllten Melodien sind leicht und voller Freude und versetzen die Zuhörer für einige Augenblicke nach „jenseits von Afrika“.
Von Kyrie bis Agnus Dei: Eine Messe nach christlicher Liturgie für die Ureinwohner wünschte sich einst der Priester eines argentinischen Dorfes, und so komponierte Ariel Ramírez 1964 seine „Misa Criolla“, ein Meisterwerk argentinischer Sakralmusik. Zum bisherigen Klangkörper kommen nun einige Instrumentalisten aus dem Chor sowie Tamara Geißner aus Hof am Piano und die beiden Tenor-Solisten Andreas Kretschmer und Johann Winzer. Zu Gitarre, Piano, Bass und natürlich den Percussionsinstrumenten erklingt die Messe mit spanischem Text im Stil südamerikanischer Folklore, wobei jeder Satz ein eigenes rhythmisches Profil hat, das erneut sensibel und auch stimmgewaltig umgesetzt wird: In der Misa Criolla wird aus „Voices and Drums“ ein harmonisches Miteinander.
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