Chorwochenende in Bad Alexandersbad

mit

Matinee bei der Landesgartenschau in Marktredwitz

30.06. - 02.07.2006

 

Rezension von Uschi Geiger

Lehrerchor "A cappella bavarese" auf der Seebühne

Bayrische Sänger mit internationalem Repertoire


Vor zehn Jahren, so Grundschulrektor Horst Geißel bei seiner Begrüßung, habe das Ensemble sein Debüt auf der Landesgartenschau in Amberg gegeben, seitdem sei der Ruhm weit über Bayern hinaus stetig gewachsen: Auf der Seebühne gastierte am Sonntag der Lehrerchor Bayern, "A cappella bavarese".

In der gut besuchten Matinee nahm der über vierzig Personen starke gemischte Chor die Zuhörer mit auf eine Reise um die Welt, wie Chorleiter Reinhold Wirsching, der zugleich als Conférencier fungierte, erläuterte. Wenn die Welt derzeit schon "zu Gast bei Freunden" sein solle, gehöre es sich auch, ein paar internationale Lieder zu singen. Nach dem mitreißenden Anfang "I sing, you sing", bei dem bereits die ausgefeilte Dynamik des großen Chors auffiel, gab es gleich ein wenig Trost für Schweden. "Vem kan segla", ein berühmtes Volkslied, das sinnigerweise davon handelt, dass
jeder Abschied (nicht nur der bei einer Fußball-WM) mit Trauer verbunden ist. Dann ging es gleich nach Samoa und Tahiti: "Minoi, Minoi" und "Vin dans uoi" waren nicht weniger mitreißend als das irische "Riverdance", das mit Stampfen und einem entschiedenen "Rums, rums!" keine Übersetzung nötig hatte, um Stimmung zu machen. Mit den Volksliedern "Country lass" und The oak and the ash" blieb man im englischsprachigen Bereich, selbstbewusst mit einem kostümierten "Landmädchen", wehmütig, wenn es um die Sehnsucht nach den Freuden des Landlebens geht. Dann gab es was zu lachen: Der von Jörg Edelmann vertonte Heinz Erhardt-Text vom Lama, das nicht spucken kann, vermittelte in feierlich-komischen Halbtönen das tierische Dilemma
im fernen Asien. Auch "A cappella bavarese" kam um den Kotau vor der deutschen Fußballleidenschaft nicht herum, schaffte es jedoch, intelligente Zwischentöne dazu anzuschlagen: Das Lied "Immer 'Hey!' für die Eigenen, immer 'Buh!' für die Andern!" warb um faire Anerkennung aller sportlichen Leistungen, egal von wem. Ein Cembalostück von Johann Sebastian Bach bot der Chor als Kanon ohne Text, stimmenmäßig beeindruckend aufgebaut und in einem modernen, furiosen "Dubidu!" gipfelnd. Mit einigen bekannten "Ohrwürmern" näherte sich das Konzert seinem Höhepunkt: "Come in and stay a while", "Tea for two", "Night and day" und "Tears in heaven" animierten zum Mitsingen, das Chorleiter Wirsching, hauptberuflich Professor für Musikerziehung in Linz, ausdrücklich "erlaubte". Seine Stunde als "Ganzkörperdirigent" schlug jedoch erst noch mal so richtig beim afrikanischen Finale mit Zugabe: Vier Stücke, zum Teil mit Vorsänger und polyphonem Chor, mit Rhythmusinstrumenten, Performance und viel Begeisterung. Zu Recht gab es rauschenden Beifall, Bravo-Rufe und die lautstarke Forderung nach einer zweiten Zugabe. Mit der lyrischen Ballade "In this heart lays for you" verabschiedete sich "A cappella bavarese".
Dieser Chor, der durch die Vermittlung von Musiklehrerin und Ensemblemitglied Judith Rösner-Hauswurz nach Marktredwitz kam, war ganz klar ein Glücksfall für einen sonnigen Sonntagmittag auf der Landesgartenschau.

Uschi Geiger