Kirchenkonzert am 11.10.2003 in Metten
Chormusik voll Intelligenz und Charakter
Lehrerchor Bayern konzertiert in der Stiftskirche
Der Lehrerchor Bayern überzeugte am Samstag in der Stiftskirche.
Metten. Im Rahmen der Reihe „Konzerte im Kloster Metten" war am Samstagabend in der Stiftskirche der Lehrerchor Bayern zu hören, eine gemischte Chorgemeinschaft unter Leitung von Reinhold Wirsching, der stimmlich nichts fremd ist.

Zu Beginn drei Sätze von Orff: „Morgensegen", „Wessobrunner Gebet", und „Fröhlicher Ostersang", mit viel dekorativer Rhetorik, vermischt mit Orff'schem Dialekt, mit Rückgriff auf Gregorianik, Pentatonik und auch aufbairische Volkslied-Elemente. Beim Chor dominiert die melodische gesangliche Linie, sie ist Teil von Kontrastbewegungen im Bass und in den Mittelstimmen. Den Sängern und Sängerinnen haftet musikalische Intelligenz und Charakter an, Versenkung in das Wesentliche, mit warm timbrierten Oberstimmen sowie tragfähigen Tenören und Bässen. Dies war auch deutlich zu hören beim Psalm „Erhöre mein Gebet" in der Vertonung von H. Regner. Das Wort war der Linie, den Farbwerten untergeordnet, Chorgesang fasst immer das ganze Leben mit ein.

Negro Spirituals gibt es heutzutage in unzähligen Bearbeitungen, die sich mehr oder weniger vom Original entfernen. Viel Bekanntes war zu hören, hier in abendländisch-neoklassischen Arrangements, z. B. „Nobody knows", oder „Lord I know". Schnell abrufbereite stimmdramatische Gesten gehören zum Stammvokabular, schlackenloser Oberstimmenklang und gestähltes Chor-Unisono heizen die Stimmung auf, der „europäische" Broadway lässt grüßen!
Abschließend die „Misa Criolla" von Ariel Ramirez. Hier integriert der Komponist gekonnt lateinamerikanische volksmusikalische Impulse sowie abgewandelte Tanzrhythmen und Sequenzen in sein Werk. Die beiden Solisten R. Femandez und A. Kretschmer fügten sich nahtlos ein. Die Messe, faszinierende Mischung aus Eigenkompositionen und südamerikanischer Folklore, erklang freilich in einer etwas akademisch-deutschen Auslegung. Beifallsstürme - und Josef Rheinbergers „Abendsegen" führte uns wieder in heimatliche Gefilde.
Helmut Gärtner
aus: Donauzeitung Nummer 235 vom 13.10.2003