Unvergessliches Konzertwochenende in Neuburg/Donau
31.03. - 02.04.2006
Pure Lebensfreude und Lust an Musik
Stehende Ovationen beim Chorkonzert
Neuburg (DK)
Den altehrwürdigen Kongregationssaal zum Klingen, ja zum „Klirren“ bringen Chorazon und A cappella bavarese samt rund 450 Konzertbesuchern mit „Ipharadisi“, einem südafrikanischen Freiheitslied, abwechselnd von Cora Krötz und Reinhold Wirsching dirigiert.
War die Stimmung bereits bei „Wa Ntalela Moya“, einem Zulu Choral – von Reinhold Wirsching für den Chor neu arrangiert – kurz vorm Überschäumen, so hält es die Zuhörer nun nicht mehr auf den Plätzen. Mit Standing Ovations feiern sie ein mitreißendes, stimmungsvolles Chorkonzert, feiern Sänger, die aus Freude am Singen auf der Bühne stehen und das auch rüberbringen. Die eingangs versprochene „Segeltour durch die Musik mit Herz aus aller Welt“ (Wirsching) hat günstigen Wind aus dem Publikum bekommen und folglich setzen die Chöre alle Segel. Ob Jazz- oder Popklassiker, außereuropäische Folklore oder Klassik wie der Kanon nach der Sinfonia Nr. 3 von Johann Sebastian Bach – hier steckt pure Lebensfreude und Lust an der Musik drin.
Zwei Chöre – nicht nebeneinander, sondern gemeinsam auf der Bühne. Zwei verschiedenen Chöre mit einigen Gegensätzen. Chorazon ist ein 25-köpfiger Chor mit überwiegend regionalen Auftritten um seine Heimat Schrobenhausen herum, A cappella bavarese gibt überall in Bayern Konzerte, allerdings nur wenige im Jahr, weil die 55 Chormitglieder aus der gesamten bayerischen Lehrerschaft stammen und daher ihre Proben- und Konzerttätigkeit auf wenige Wochenenden konzentrieren. Der lebhafte Körper und Mimik betonte Stil der beiden Dirigenten ist ähnlich, kein Wunder, hat doch Cora Krötz bei Musikprofessor Reinhold Wirsching, Dozent an der Uni Linz und dem Mozarteum Salzburg, das Dirigieren gelernt. Wirsching agiert ausgefeilter, eleganter, aber noch mehr Temperament und mitreißender Überschwang gehören Krötz. Kein Konzert aus der Distanz, sondern mit und im Publikum. Das Arrangement wird bereits mit den Eingangslied „I sing, you sing“ deutlich, als die Chormitglieder in den voll besetzten Saal einziehen und sich entlang der Wände verteilen. Über die Köpfe der Konzertbesucher hinweg beherrscht der Musikprofessor mit raumgreifenden Bewegungen seinen vielköpfigen, zusammen gemischten Chor. Sogar das Foyer wird der Bühne einverleibt, wenn die Dirigenten ihre Sänger in drei gemischte Gruppen teilen und „Since you went away“ intonieren. Zwei Drittel dirigiert Wirsching im Saal und auf der Bühne, der Rest singt unter Regie von Krötz im Foyer. Viel Bewegung, Rhythmus und Trommelschläge kennzeichnen „Ubuhle Bendoda“ aus Südafrika, zarte träumerische Passagen von „Minoi, minoi“ (A cappella bavarese) versetzen an das Meer auf Samoa, kraftstrotzend und temperamentvoll erweist sich Chorazon bei „Canto para Ellegua“. Interessant die Chorversion von Zarah Leanders „Kann denn Liebe Sünde sein“ – selbstverständlich in höherer Tonlage gesungen – angekündigt als „das Thema, das Menschen in zwei Gruppen teilt, manchmal geht die Trennlinie sogar mitten durch ein und denselben Menschen“. Die Vielseitigkeit der ausgezeichneten Sänger, die Harmonie innerhalb und im Miteinander der Chöre sowie humorige, teils selbstironische Ansagen („Egal, wie der Abend ausgeht – Sie erleben eine Premiere“, so Krötz eingangs) machen den besonderen Reiz dieses großartigen Benefizkonzertes – zugunsten südamerikanischer Kinder – aus, das mit frenetischem Beifall und Pfiffen belohnt wird.
Andrea Hammerl, Donaukurier Nr. 78 vom Montag, 3. April 2006
Musik mit viel Herz aus der ganzen Welt
Benefizkonzert mit präziser Musikalität und Begeisterung
Neuburg
Ein „Joint Venture“ der musikalischen Art bildeten die Chorleiter Cora Krötz und Reinhold Wirsching. Ihre beiden Vokalensembles „Chorazon“ und „A cappella bavarese“, unternahmen in 21 Liedern eine Reise durch die Welt der Musik. Schwerpunkte bildeten Folklore aus Afrika und der Südsee sowie Jazz- und Popstandards aus Europa. Das Ergebnis: Virtuose Musikalität, präzise Rhythmen und überschäumende Begeisterung.
Das Benefizkonzert im Kongregationssaal war etwas ganz Besonderes: Cora Krötz, Leiterin von „Chorazon“ und einer Musikschule in Schrobenhausen, und Reinhold Wirsching, Dirigent von „A cappella bavarese“ und Professor am Mozarteum in Salzburg, hatten einen ehrgeizigen Plan: An nur einem Abend wollten sie ihr Publikum auf eine musikalische Reise um die Welt mitnehmen. Unter dem Motto „Musik mit Herz aus aller Welt“ stellten sie ein Programm vor, das einen Bogen von der barocken Musik eines J. S. Bach über Evergreens von Zarah Leander und Bill Ramsey bis hin zu den Gesängen der Zulus spannt. Auf den ersten Blick ein fast aussichtsloses Unterfangen. Denn wer kennt schon die Inhalte des tahitianischen Liedes „Vin danse“ („Wir wollen tanzen“), wem sind „Minoi, minoi“ aus Samoa und der Song „Ipharadisi“ aus Südafrika vertraut? Dennoch: Der Funke sprang sofort auf das Publikum über. Das ist nicht nur der musikalischen Perfektion beider Chöre zu verdanken. Das Publikum erfreute sich auch an den witzigen Erläuterungen und den szenischen Einlagen, die kabarettreif waren. So erklärte ein Chormitglied, dass in dem Lied „Minoi, minoi“ ein Verliebter auf Samoa seine Liebste zum Tanz auffordert und sich wünscht, dass dieser niemals enden möge („Tanze anmutig wie eine Ameise!“). Und auch der Inhalt des englischen Klassikers „Tea for two“ war – mit roter Teekanne in der Hand – originell illustriert.
Launige Moderationen leiteten Evergreens wie „Kann denn Liebe Sünde sein?“ und „Die Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe“ ein. Für einen großen Lacher sorgte die Parodie auf den Bill-Ramsey-Song: Ein dicker FC-Bayern-Fan bringt die tänzelnde und verschleierte Suleika mit aufs Podium. Auf originelle Weise bezogen Wirsching und Krötz den Veranstaltungsort selbst mit ein. Mal stellten sich die Chormitglieder ringsum im Saal auf, mal sangen sie im Vorraum – um so den Abschiedscharakter des Liedes „Since You Went Away“ zu unterstreichen.
Nach der Pause zogen die beiden Ensembles laut singend und unterstützt von Trommelklängen in den Saal ein. Mal fröhlich, mal melancholisch, aber stets voller Herz ging es in die zweite Hälfte. Sein breites Können stellte jetzt Reinhold Wirsching unter Beweis: Mit „Tears in Heaven“ hatte der Professor einen Eric-Clapton-Song neu arrangiert. Und selbst der Bach-Sinfonie Nr. 3 in D-Dur entlockte der Musikdozent farbige A-cappella-Klänge. Gegen Ende setzten die beiden Ensembles mehr und mehr auf afrikanisches Liedgut. Hier spielen nicht die Inhalte, sondern die Rhythmen die tragende Rolle – und die gehen auch einem Europäer schnell ins Blut.
Das Publikum dankte mit frenetischem Applaus und erklatschte zwei Zugaben. Der Erlös des Abends kommt bedürftigen Familien im Raum Schrobenhausen zugute sowie dem Förderverein Lucecita e.V., der Menschen in Lateinamerika und Afrika unterstützt.
Stephan Brummet, 3. April 2006
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