Probenwochenende mit Konzert in Steinwiesen

5. - 7.10.2007

Neue Presse Coburg, 09.10.2007

Ein Chorgesang, in allen Stimmgruppen gleichermaßen so in sich abgerundet und geschlossen wie die ästhetisch überzeugende Gestaltung der Kirche St. Marien in Steinwiesen; ein musikalischer Leiter, Professor Reinhold Wirsching, so mitreißend temperamentvoll und tanzend wie die afrikanischen Malinke-Rhythmen: Dieses Ereignis wurde am Samstag mit einer Chorgemeinschaft wahr, die sich 1995 aus Sängerinnen und Sängern der Lehrerschaft aller Schularten und aller bayerischer Regionen zusammengefunden hat. Begeistert von der „Chormusik aus aller Welt“ – so der Titel des Konzertes –, kann „a cappella bavarese“ auf Konzerte auf Kreta und im Dom von Assisi und jedes Jahr auf drei bis fünf Auftritte in Bayern zurück und voraus blicken.

Der Chor trifft sich lediglich drei bis fünf Mal im Jahr für drei Tage, um ein Konzert neu einzuüben und aufzuführen. Die Noten des mittlerweile höchst umfangreichen Repertoires von Madrigalen bis zu zeitgenössischer und folkloristischer Weltmusik werden allein zu Hause einstudiert und in den Dreitage-Treffen konzentriert und von hoher Qualität getragen zur Aufführung gebracht. Dass dies – so unwahrscheinlich es klingt – funktioniert, bewiesen Reinhold Wirsching und sein sangesfreudiger Chor aufs Nachdrücklichste in ihrem Steinwiesener Konzert. Der Chor besteht aus 55 Mitgliedern, von denen (dank Walter Klose und dem Singschulwerk Oberfranken in der Villa Marteau) 14 aus Oberfranken stammen.

Zunächst Heiner Murmann und diesmal besonders Walter Klose und seinem musikalischen Wirken als Dirigent der „caecilia“ Steinwiesen, als spiritus rector der Berufsfachschule für Musik und Multiplikator der Begeisterung für den Chorgesang, war dies Chorkonzert mit Musik von der Romantik bis zum zeitgenössischen Pop gewidmet.

„Viva la musica“, das freudige Motiv dieses traditionellen Eingangshits (in der Fassung von Iván Eröd) zog sich wie ein roter Motivationsfaden durch das gesamte Konzert. Ob in den klassich romantischen Liedern des „Morgensegen“ aus dem 12. Jahrhundert, von Carl Orff adaptiert, den klaren und reinen Tönen der immer differenziert und exakt einstudierten geschlossenen Interpretation religiöser Lieder – von John Rutter „A clare benediction“, von Hermann Regner (*1927) „Psalm Four“, Edvard Grieg „How fair is thy face“ oder Felix Mendelssohn-Bartholdy die Lieder über die evangelische Schönheit der Schöpfung, des Lebens und der Liebe: „Hebe deine Augen auf“ und „Denn er hat seinen Engeln befohlen“, die Reise durch die Musik – zurück und nach vorne, in unterschiedlichen „Zungen“ der Welt – wurde von dem Chor der bayerischen Lehrerinnen- und Lehrersolisten in beeindruckender einheitlicher Klangvielfalt, Klangfarbigkeit und Geschlossenheit demonstriert.

Spirituals und englische Volkslieder bis zu variationsreicher schwedischer Folklore („Vem kan segla“) breiteten warme Klangteppiche in die lichte Kirche aus, poppige Musicalklänge – „Since you went away“ von Otto Mortensen oder „I sing, you sing“ von Anders Edenroth – brachten abgestuften Swing in seiner ganzen rhythmischen Bandbreite in das Konzert.

Mit den Volksliedern aus Tahiti und Samoa, vor allem aber den afrikanischen Tänzen, die sich dank ansteckender musikantischer Freude in der voll besetzten Kirche bis in die Zugabe fortsetzen mussten, schwappte die aufregende und aufgeheizte Stimmung der Chormitglieder – die als Lehrerinnen und Lehrer alle Autorität ablegten und voll „zur Sache“ gingen – vollends auf das Publikum über. Eine Sing- und Tanzgemeinde ging letztlich freudig und mit „Gottes Segen“ aus diesem eindrucksvollen Abend mit Joseph Rheinbergers „Es wird Abend werden“ in die sanfte Herbstnacht und zur wahrlich verdienten „Sängerlust“ ins Gasthaus. Play it again – a cappella bavarese !